Motorsport Die Altingerin Stephanie Halm spricht über ihren dritten Platz bei der TruckEuropameisterschaft und wie sie als einzige Frau dort mitfährt.
Von Rebecca Felchle
Eigentlich ist die in Altingen wohnende Stephanie Halm ausgebildete Diplom-Verwaltungsfachwirtin.
An manchen Wochenenden im Sommer verlässt die 41-Jährige allerdings den Schreibtisch und setzt sich stattdessen ans Steuer eines Lastkraftwagens. Auf den Rennstrecken Europas rast sie um die Kurven. In der vergangenenSaison war sie so erfolgreich wie nie: Platz 3 bei der FIA-Truck-Europameisterschaft in derGesamtwertung. Erst beim finalen Rennen im spanischen Jarama Anfang Oktober stand das Ergebnis fest.
Frau Halm, der dritte Platz in der Gesamtwertung bei der EM im Truck Racing – sind Siezufrieden oder ging da noch mehr?
Ich glaube, dass wir im Truck-Racing die grünste Rennserie weltweit sind. Ich bin da natürlich mega happy! Das ist das beste Ergebnis, das ich persönlich bei der Europameisterschaft erreicht habe. Aber auch das beste für mein Team „Schwabentruck“ - Daher waren wir sehr zufrieden. Die Erst- und Zweitplatzierten waren von den Punkten her soweit weg und über die ganze Saison gesehen konstant vor mir, deshalb war dieses Jahr nach vorne nicht mehr möglich. Nach hinten zum vierten Platz war es bis zum letzten Rennen offen.
Was lief diese Saison gut, was weniger gut?
Unterm Strich kann ich sagen, dass es insgesamt sehr gut lief. Wir waren sehr konstant. Es gab acht Rennwochenenden mit je vier Rennen, da war nicht ein technischer Ausfall. Wir haben zuverlässig gearbeitet. Es kann ja immer mal sein, dass man in einem Rennen mit einem Konkurrenten zusammengerät, auch das hatten wir nicht. Ich glaube, das war der Schlüssel zum Erfolg für den dritten Platz.
Im Hintergrund passiert bestimmt einiges vor und während der Saison.
Das beginnt über den Winter mit der Vorbereitung vom Auto und geht weiter mit dem Service während der Saison. Zwischen den Rennen geht das Fahrzeug zurück in die Teamwerkstatt. Da spielen dann Erfahrungswerte rein. Man tauscht Dinge nicht aus, wenn sie kaputt sind, sondern routinemäßig nach einer gewissen Fahrleistung. Ebenso wichtig, im Berufsowie im Sport, sind die Stimmung und das Miteinander im Team. Wenn man keine Lust hat, morgens zur Arbeit zu gehen, dann wird man nicht die Leistung bringen können, die eigentlich möglich ist.
Bei der Eingabe von „European Truck Racing Championship“ in die Internet-Suchmaschineführen viele Ergebnisse zu einem Computerspiel, nicht zum Sport. Finden Sie, ihre Art vonMotorsport hat mehr Aufmerksamkeit verdient?
Das läuft ja über die FIA (Fédération Internationale de l’Automobile), also wir sind da weit oben angesiedelt. Nichts desto trotz ist das Truck Racing im Motorsport eine unbekannte Serie. Die Menschen, die sich dafür interessieren, kommen nicht unbedingt aus dem Motorsport-Bereich, sondern haben im beruflichen oder im privaten Bereich mit LKW zu tun. Ich finde schon, dass uns mehr Aufmerksamkeit guttun würde.
Der Motorsport wird kritisiert, weil dabei Abgase in die Luft gepustet werden – es gibt umweltfreundlichere Sportarten.
Man denkt bei LKW vielleicht an eine enorme Umweltverschmutzung. Dabei glaube ich, das wir im Truck Racing die grünste Rennserie weltweit sind. Fahrzeuge, die elektrisch betrieben werden, sind nicht grün – die Akkus müssen geladen werden. Da stehen riesengroße Kühlaggregate, um die Batterien wieder zu laden. Wir hingegen fahren seit Jahren nicht mehr mit Diesel, sondern mit HVO, das ist ein synthetisch hergestellter Kraftstoff. Er hat über 90 Prozent CO₂-Reduktion.
Auf der Teilnehmerliste der EM stehen sonst nur männliche Namen. Wie ist es, als Frau inso einem männerdominierten Feld?
Ich bin seit ein paar Jahren die einzige Frau, die dort mitfährt. Vereinzelt war in derVergangenheit eine weitere Frau dabei. Ich kenne es von Beginn an nicht anders. Mit zehnJahren habe ich angefangen im Kart-Sport, da gab es viele Rennserien, wo ich das einzige Mädel war unter Jungs. Es ist normal und nichts Besonderes für mich. Meiner Meinung nach ist es nicht erforderlich, wie in anderen Sportarten, aufgrund von körperlichen Voraussetzungen eine Trennung zu machen.
Wie finden es Ihre Kinder, dass die Mutter in ganz Europa Truck fährt?
Die sind unglaublich stolz und finden das toll. Es ist nicht so schön für sie, dass sie nur selten dabei sein können. Das geht nur in den Schulferien, und entweder passt es dann von den Rennterminen oder eben nicht. Sie drücken aber immer die Daumen und fiebern mit.
Seit 2018 bei der FIA-Truck-EMStephanie Halm ist 41 Jahre alt und wohnt mit ihrer Familie in Altingen. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 1993 ist Halm im Motorsport aktiv, sie begann mit Kartfahren. Seit 2018 fährt sie die Europameisterschaft im Truck Racing, die jährlich von der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) ausgerichtet wird. Ende der 1970er-Jahre kam der Sport nach Europa aus den USA, wo die Rennen meist auf unbefestigten Pisten ausgerichtet wurden.
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